Kopfkompost

Learning and Thinking - Chinas Entrepreneure

Sep 08, 2014

Die Haltung der meisten Leute gegenüber China ist eine Mischung aus Angst, Bewunderung und Ablehnung. Der Großteil des Wissens über China besteht aus verjährten Anekdoten. Zumindest soll mir hier ein Update dieses anekdotischen Wissens gelingen.

In den Augen vieler besteht die chinesische Industrie aus Zuliefern und Plagiatoren, die ausländische Produkte eins-zu-eins kopieren, verkaufen und dann wieder verschwinden. Eine Identität haben diese Firmen nicht, sondern sie zehren nur vom Glanz großer Marken. Doch weit Gefehlt!

I

Enter Jack Ma.
Jack Ma (Ma Yun) wurde 1964 in Hangzhou geboren und war einer der ersten Gründer in China der 1995 mit Internet Startups experimentierte; kurz nachdem China an das Internet angeschlossen wurde. 1999 gründete er eine kleine Firma, die es in- und ausländischen Firmen erlaubte Zuliefererkontakte über das Internet zu machen und dort gleich auch Produkte zu handeln. Ein Amazon für Zulieferer.

Heute ist aus Jack Mas Firma die Alibaba Group geworden, unter dessen Dach sich eine Handvoll Handelsplattformen wie Taobao, Alibaba und Tmall vereinen. Zusammen deckt die Alibaba Group ab, was Amazon und Ebay im Westen tun und darüberhinaus noch einiges mehr, wie die Zulieferergeschäfte von Alibaba. Dass Jack Ma als reichster Mann Chinas als Visionär gefeiert und verehrt wird ist nicht zuletzt dem Erdrutsch zu verdanken den er ausgelöst hat:
Seit Alibaba können sich einzelne Akteure in China selbstständig machen und am Zulieferergeschäft der Großen teilnehmen. Eine Demokratisierung des B2B Geschäfts für Produkte jeder Art. Sogar eine gebrauchte Boeing 747 ist auf Alibaba zu kaufen.
Nicht verwunderlich ist es, dass eine neue Generation chinesischer Unternehmer herangewachsen ist.

II

Ist Jack Ma der ‘Enabler’ der Entrepreneure Chinas, so ist der chinesische Markt die Feuertaufe.
Wer sich auf dem wahrscheinlich heiß umkämpftesten Markt der Welt einen Namen machen kann, wird auch vor ausländischen Märkten nicht zurückschrecken müssen. Hausnummern wie Ebay und Google ist es nicht gelungen Fuß zu fassen und Amazon muss sich mit einem winzigen Anteil am Onlinehandel zufrieden geben. Wenige verstehen es, den sparsamen chinesischen Konsumenten zum Griff in die Tasche zu animieren und doch ist die Belohnung groß, für diejenigen denen es gelingt:
Mehr noch als der Englisch sprachige Markt hat der Chinesisch sprachige Markt Dimensionen, die sich unsereins kaum vorstellen kann. Die Zeiten, wo chinesische Firmen keine eigenen Marken aufbauten sind längst vorbei, wenn es gilt einem Fünftel der Menschheit Waren und Dienstleistungen zu verkaufen.

III

Lei Jun ist nach Forbes' Einschätzung ein “self-made man”.
Erst 2010 gründete er Xiaomi, eine Elektronikfirma, die in China mächtig Wind macht. Xiaomi hat sich das Motto “Nur für Fans” auf die Fahnen geschrieben und ein ganzen Ökosystem von Hard- und Softwareprodukten aufgebaut - nicht ganz ungleich dem von Apple. Kürzlich kam der chinesische E-Book Verlag Duokan per Akquisition hinzu und seitdem können dort Bücher mit Xiaomis eigenem Bezahlsystem “Mi-Münzen” erworben werden. Seine Lorbeeren verdient sich das Unternehmen allerdings mit Smartphones. Das Steve Jobs das große Vorbild von Lei Jun ist, konnte man während der Präsentation des Mi4 Smartphones erkennen, kam er doch in Jeans und schwarzem Rollkragenpullover auf die Bühne. Und auch seine Fähigkeit der Realität die eigene Sicht der Dinge aufzuzwingen teilt Lei Jun mit Jobs:
In diesem Frühjahr entthronte Xiaomi mit Hilfe des Mi3 Smartphones Samsung als Marktführer in China und verkauft seit August 2014 mit dem Mi4 eines der besten Android Smartphones auf dem Markt.

IV

Verkehrte Welt

Auf clevere Art und Weise verstehen es chinesische Entrepreneure wie Lei Jun den Branchenriesen Angst einzujagen:
In 2013 holte er [Hugo Barra][2] als “head of international business development” an Bord, um die internationale Expansion und Strategie zu leiten. Barra war vorher bei Google Vizepräsident für Android Produktmanagement. ‘Brain-drain’ in die andere Richtung. Und so wird Xiaomi dem heimischen Konsumenten nicht mehr lange unbekannt bleiben, obwohl es [ankündigte][3] das Mi4 nicht offiziell in Europa vertreiben zu wollen. Dies wollen wir Lei Jun hier eher als Luxus auslegen, den er sich erlaubt, denn als Zeichen der Schwäche, denn zunächst will der ebenfalls riesige südamerikanische Markt erobert werden.
Ein anderer Move, den Lei Jun mit Xiaomi machte, war eine Partnerschaft mit dem Hersteller der crowd-funded open-source Konsole ######Ohya einzugehen, dessen Absatz in den USA enttäuschte, und Ohyas hunderten von Spielen damit eine zweite Chance zu verschaffen und noch dazu auf dem mit ##### Mrd. Dollar größten Videospiele Markt der Welt. Ohyas Plattform wird dabei auf den Smart-TVs von Xiaomi vorinstalliert sein. Lei Jun macht Ohya als Konsolenplattform für Spiele-Entwickler interessanter und verschafft dem Xiaomi TV gleichzeitig ein Alleinstellungsmerkmal auf dem heimischen Markt.
Ein Move, der die Konsolenindustrie aufhorchen lässt.

V

Perceptions and Misperceptions.
Im Ausland wird chinesischen Firmen gerne jegliche Legitimation mit Argumenten über staatliche Überwachung und Plagiarismus entzogen. Argumente die durchaus berechtigt sind. Allerdings wird dies findige Entrepreneure nicht davon abhalten sich auf dem heimischen Markt oder als Zulieferer so lange zu erproben bis das eigene Know-How ausreicht, um auf eigene Innovationen zu setzen. Die typische Agressivität mit der Neueinsteiger etablierte Produkte nachahmen wird oft als Einfallslosigkeit missverstanden, dabei sollten wir sie als Trainingsprozess für die Entrepreneure sehen. Morris Chang, der Gründer der Taiwan Semiconductor Manufacturing Corp. (TSMC) hat dies in einer [Rede vor Stanfords Studenten][1] und zukünftigen Entrepreneuren auf den Punkt gebracht, als er den konfuzianischen Ratschlag gab, wie man als Entrepreneur erfolgreich wird:
“Learn and think! Both are important. If you just learn and don’t think, then you quickly become lost. If you just think and don’t learn, then you quickly run out of material to think.”

[1] : http://ecorner.stanford.edu/authorMaterialInfo.html?mid=3331 “Rede vor Stanfords Studenten” [2] : http://mobile.bloomberg.com/news/2013-08-29/xiaomi-hires-google-s-barra-in-push-to-boost-growth-beyond-china.html “Hugo Barra” [3] : http://www.areamobile.de/news/28331-xiaomi-plant-keinen-europa-release-des-mi4 “ankündigte”

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